Es ist ein Ros entsprungen

1. Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart,
wie uns die Alten sungen, von Jesse kam die Art
und hat ein Blümlein bracht mitten im kalten Winter
wohl zu der halben Nacht.

 2. Das Blümlein, das ich meine, davon Jesaja sagt,
hat uns gebracht alleine Marie, die reine Magd;
aus Gottes ewgem Rat hat sie ein Kind geboren,
welches uns selig macht.

3. Das Blümelein so kleine, das duftet uns so süß;
mit seinem hellen Scheine vertreibt’s die Finsternis.
Wahr’ Mensch und wahrer Gott, hilft uns aus allem Leide,
rettet von Sünd und Tod.

Infos zum Lied

 

Der unbekannte Dichter dieses schönen Weihnachtsliedes aus dem 16. Jahrhundert lässt uns in der ersten Strophe rätseln: Wer ist die Wurzel, wer ist die Rose und wer das Blümlein? Der Text spielt auf einen Text aus dem Alten Testament an, wo es beim Propheten Jesaja heißt:

„Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen.“

Nach der zweiten Strophe kann man die Auflösung erraten: Maria ist die Rose, die (mit Joseph) aus dem alten Stamm des Volkes Israel, von Jesse, abstammt und uns das „Blümelein“ Jesus gebracht hat. Zu diesen beiden Ur-Strophen, die zunächst nur in katholischen Gegenden verbreitet waren, wurden im Laufe der Zeit noch viele weitere dazugedichtet. Der protestantische Komponist Michael Praetorius komponierte Anfang des 17. Jahrhunderts einen bis heute sehr bekannten vierstimmigen Chorsatz zu dem Lied und änderte den Text der zweiten Strophe. Trotz manch unterschiedlicher Textdeutung und Sichtweisen im katholischen und evangelischen Bereich, wer nun das das „Reis“ und das „Blümlein“ sei und ob des Rätsels Lösung eher Maria oder Jesus ist, gehört das Lied zu den Liedern, ohne die es nicht Weihnachten werden kann.